Kaninchen – Paarung und Nachwuchs

 Die Paarungsbereitschaft des Weibchens erkennt man an der Unruhe der Häsin, die viel im Käfig scharrt und versucht ein Nest zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt sind auch die Geschlechtsteile leicht angeschwollen und gerötet. Für den Deckakt ist zu beachten, dass stets die Häsin zum Rammler, also zum Kaninchenmännchen, gesetzt wird und nicht umgekehrt, denn selbst eine paarungsbereite Häsin wird den Rammler als Eindringling in ihr Revier betrachten und dies mit Zähnen und Krallen verteidigen. Umgekehrt wird sie sich seine Annäherungsversuche gern gefallen lassen.

 Da erst durch den Deckakt der Eisprung ausgelöst wird, reicht eine einzige Bedeckung aus. Ist der Deckakt erfolgt, kann man die Tiere deshalb wieder trennen. War die Paarung erfolgreich, zeigt die Häsin nach einigen Tagen wieder Unruhe, die sich erneut durch Scharren und Nestbauversuche äußert. Die trächtige Häsin braucht jetzt nicht nur eine besonders ausgewogene Ernährung, sondern auch viel Ruhe und sollte möglichst wenig hochgenommen werden.

 Bieten sie der Häsin viel Heu und Stroh an, woraus sie ein Nest bauen kann. Man kann ihr auch eine Wurfkiste in den Käfig stellen, in der sie ihr Nest baut. Dort fühlt sie sich besonders sicher, stammt doch das Hauskaninchen vom Höhlen bewohnenden Wildkaninchen ab.

 Die Trächtigkeit dauert zwischen 28 und 31 Tagen. Die Zahl der Jungen hängt stark von der Rasse ab. Reinrassige Farbenzwerge (z.B. Farbenzwerge siam, rot, blau, russenfarbig, grau, schwarz) werfen selten mehr als vier, rassenlose Kleinkaninchen bis zu acht und größere Rassen im Ausnahmefall bis zu zwölf Junge. Ungefähr eine Woche vor dem Werfen, beginnt die Häsin sich Wolle aus dem Bauchfell zu zupfen, um damit das Nest für die blind geborenen Jungen (Nesthocker) auszupolstern und ihnen eine warme Unterlage zu bieten. Der Rammler ist spätestens kurz vor der Geburt aus dem Käfig der Häsin zu entfernen, da Häsinnen, die gemeinsam mit dem männlichen Tier gehalten werden, nicht selten ihre Junge tot beißen

Die Geburt geht meist in den frühen Morgenstunden vonstatten. Dass die Geburt erfolgt ist, erkennen sie an der plötzlichen Schlankheit ihrer Häsin. Während der Aufzucht, und das gilt besonders für die ersten Tagen nach dem Werfen, braucht das Muttertier viel Ruhe, sonst verlässt oder tötet es sogar seine Junge. In dieser Zeit sollten sie auf ihr Streichel- und Schmusetier deshalb verzichten und es ganz seinen Mutterpflichten überlassen. Ca. 2 Tage nach der Geburt sollten sie die Häsin dennoch einmal mit Futter oder Streicheleinheiten ablenken und vorsichtig das Nest kontrollieren. Nehmen Sie keine Jungtiere in die Hand, sondern entfernen sie allenfalls tote Tiere und eventuell noch vorhandene Nachgeburtsreste. Normalerweise verzehrt die Häsin die Nachgeburt völlig. 

  Der biologische Sinn dieses Verhaltens besteht darin, dass zum einen auf diese Weise stark riechende, das Nest verschmutzende Geburtsreste beseitigt werden, bevor sie Raubtiere anlocken, und dass zum anderen die in der Nachgeburt enthaltenen Hormone nach dem Verzehr zusätzlich die Milchproduktion anregen. Auch eine ausgewogene, abwechslungs- und vitaminreiche Ernährung des Muttertiers ist jetzt ganz wichtig, damit die Häsin ausreichend Milch für ihre Junge hat, bei Bedarf ist ihre Kraftfutterration zu erhöhen.

 Im Gegensatz zu anderen Tieren saugen Kaninchenbabys nicht mehrmals am Tag kleine Portionen, sondern erhalten oft nur eine einzige größere Milchmahlzeit pro Tag. Drei Wochen lang ernähren sich die Kleinen ausschließlich von der Muttermilch, dann beginnen sie mit der Aufnahme von festem Futter. Mit sechs Wochen sind sie dann entwöhnt. Frühestens jetzt kann man sie von der Mutter trennen, doch sollte man ihnen möglichst noch zwei weitere Wochen gönnen, bevor man sie aus der Familie reißt. Junge Kaninchen brauchen viel Platz, um sich austoben zu können. D.h. sorgen sie für einen ausreichend großen Käfig und bieten sie den jungen Hopsern regelmäßig Freilauf in der Wohnung oder noch besser im Garten an

Falls Sie nicht alle Junge selbst behalten wollen, sie im Bekanntenkreis nicht genügend Abnehmer finden und sie die Kleinen über eine Annonce vermitteln wollen, laden sie die Interessenten ein, wenn die jungen Kaninchen ungefähr vier Wochen alt sind. So können sie sich bereits jetzt ihr Wunschtier aussuchen, das sie sich dann vier Wochen später abholen können. Auf diese Weise schützen sie ihre Jungkaninchen vor Spontankäufern, die womöglich schnell wieder das Interesse an ihrem Heimtier verlieren. 

 Tierfreunde, die bereit sind, auf ihr Kaninchen noch eine zeitlang zu warten, haben in der Regel ernsthaftes Interesse und so Zeit genug, sich auf alle Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten (z.B. wer sorgt täglich für frisches Futter und Wasser, wer macht regelmäßig den Käfig sauber, wohin mit dem Tier, wenn man in Urlaub fährt, welche Tierarztkosten kommen routinemäßig durch die Schutzimpfungen auf einen zu, usw.) vorzubereiten. Verlangen sie ruhig auch einen angemessenen Preis für die Kleinen.

 Ein wahrer Tierfreund versucht nicht zu feilschen und was nichts kostet ist leider allzu häufig auch nichts wert. Auf diese Weise schrecken sie auch Terrarianer ab, die günstig Futter für ihre Riesenschlange suchen. Schlangen sind zwar auch schöne Tiere und wollen leben, aber diesen Weg sollen ihre Jungkaninchen ja bestimmt nicht gehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kaninchen in gute Hände kommen, ist durch diese paar Vorsichtsmaßnahmen bestimmt größer.